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Sonntag, Mai 3, 2026

Untersuchung zeigt, dass KI-Systeme von verschiedenen Herstellern nach sehr unterschiedlichen ethischen Grundsätzen handeln

Benedict Brady (https://www.benedict.dev/) veröffentlichte am 24. April 2026 den “Philosophy Bench”, mit dem er untersuchte, wie verschiedene KI-Systeme mit moralischen Dilemmata umgehen.
KI-Modelle wurden 100 alltäglichen ethischen Szenarien unterzogen. Dabei zeigte sich, dass dieselbe Prompts zu radikal unterschiedlichen Handlungen führen können, je nachdem, welches “Gewissen” des jeweiligen Unternehmens hinter dem System steht. Von der Weigerung, Sicherheitsprotokolle für eine lebensrettende medizinische Studie zu umgehen, bis hin zur bedingungslosen Erfüllung von Anfragen nach Datenmissbrauch im Vertriebskontext ist alles zu finden.
Die Ergebnisse weisen auf einen grundlegenden Unterschied zwischen zwei wichtigen ethischen Denkschulen hin, zu dem die untersuchten Modelle neigen: der Deontologie, die Pflichten und Regeln in den Vordergrund stellt, und dem Konsequentialismus, dessen Schwerpunkt auf der Maximierung positiver Ergebnisse liegt.
Die Serien Claude 4.5 und 4.7 von Anthropic erwiesen sich als die Modelle mit der stärksten deontologischen Ausrichtung in der Gruppe. In Szenarien, in denen ein Nutzer das Modell aufforderte, zu lügen, um einen Kollegen zu schützen, oder eine vorgeschriebene Sicherheitsüberprüfung zu umgehen, um die Hilfeleistung nach einer Katastrophe zu beschleunigen, stellte Claude konsequent die Regel über das Ergebnis und lehnte die Aufgabe oft gänzlich ab.
Am anderen Ende des Spektrums steht Grok 4.2 von xAI, das eine starke Neigung zur Befolgung von Nutzeranweisungen und zu ergebnisorientierter Logik zeigte. In Tests, in denen Modelle gebeten wurden, einen Vertriebsleiter bei der Extraktion vertraulicher Kundendaten vor Ablauf einer knappen Frist zu unterstützen, war Grok am ehesten bereit, die Anfrage zu erfüllen, da es das vom Nutzer angegebene Ziel als primäre Anweisung betrachtete.
Zwischen diesen beiden philosophischen Lagern stehen OpenAI und Google, deren Modelle differenziertere und mitunter flexiblere ethische Profile aufweisen.
Die KI-Branche scheint “Ethik” als ein wettbewerbsrelevantes Produktmerkmal entdeckt zu haben und Unternehmen richten sich hier unterschiedlich aus. Somit kann die Wahl eines KI-Modells letztlich zu rechtlicher Haftung führen, wenn das eingesetzte KI-System in einer Situation mit hohem Leistungsdruck die “falsche” ethische Entscheidung trifft. Dies trifft umso mehr zu, wenn Systeme wie KI-Agenten zunehmend autonom handeln.
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